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Bis dahin, bleibt gesund und mir gewogen.

 

die Petra

 

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DAILY NEWS, Hintergrund Wissen

Der trockene Rausch

Wenn Sie Verwandter oder Freund eines Suchtkranken sind, ist Ihre größte Hoffnung, dass er oder sie eines Tages ziemlich gesund, glücklich und nüchtern sein wird. Vielleicht haben Sie schon seit Jahren Ihre äußerst besorgten Bemühungen in die Richtung unternommen.

Auch durch ungenügendes Verständnis der Art der Krankheit der Sucht schien der Kampf wohl blind und unfair gewesen zu sein – nichts als Schritte im Dunkeln – die darauf hinausliefen, dass wir doch das verzweifelte Gefühl bekamen, die Anstrengungen haben mehr geschadet als geholfen. Keine Schuldgefühle bitte. Was Sie erkennen müssen ist, dass sowohl Sie als auch der Suchtkranker Gefangener einer heimtückischen Krankheit sind, die Verwirrung, Verzweiflung und Angst verbreitet. Es ist keine Frage der Schuld, sondern des Verstehens. Ihre Lösung des Problems liegt in der Erweiterung der Kenntnis, womit Sie es zu tun haben. Sobald Sie das erkannt haben, sind Sie viel eher in der Lage, einem Suchtkranken auf dem Wege zur schnelleren und völligen Wiedergenesung zu helfen. Aber selbst wenn die Wiederherstellung langsam zu sein scheint, sind Sie so eher in der Lage, für Sich und Ihre Familie eine glücklichere und natürlichere Heimatmosphäre zu schaffen. Die folgenden Vorschläge, die sich auf den heutigen Stand der Kenntnis des Sucht und die Erfahrung von Angehörigen und Freunden von genesenden Suchtkrankern stützen, werden Ihnen helfen, ein konstruktives Programm der Tat aufzubauen.

Lerne die Tatsachen über den Süchtigen, die Sucht

Zum ersten Mal in der Geschichte kann mit Überzeugung gesagt werden, dass es für den Suchtkranker Hoffnung gibt. In der Tat ist der Prozentsatz der Genesung von der Sucht unter denen, die sich helfen lassen wollen, höher als bei jeder anderen chronischen Krankheit.

Wir wissen, dass Sucht eine Krankheit ist, eine zwingende, besitzergreifende Krankheit. Es ist nicht der Ausdruck eines schwachen Willens oder Unmoralität. Man braucht sich der Sucht nicht zu schämen.

Sie sind heute einen guten Teil glücklicher als jene in den vergangenen Jahren die nur vermuten konnten, was mit ihren Partnern oder Freunden los war. Es gibt eine Menge gesunder und unvoreingenommener Informationen und Sie sollten alle Quellen ausschöpfen, die Ihnen zur Verfügung stehen. Einige von diesen sind: Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen, die das Problem Sucht verstehen. Ausgezeichnete Bücher über die Sache sind verfügbar und Listen hierüber können bei einer Organisation oder in der öffentlichen Bücherei eingesehen oder erhalten werden.

Sprich mit Jemandem, der die Sucht versteht

Sprich auch mit jemand anderen, nicht nur mit einem guten Freund oder einem Verwandten. Gute Freunde könnten so oder so voreingenommen sein und Dich überreden, einen Kurs einzuschlagen oder eine Haltung einzunehmen, die Dich verwirrter oder feindlicher denn je zurücklässt.

Menschen, die sowohl die Krankheit als auch Deine Gefühle, die damit verbunden sind kennen, können Dir am besten helfen, die Antwort für Deine vielen Probleme zu finden. Es gibt keinen Ersatz für das Wissen aus erster Hand von wieder hergestellten Suchtkrankern. Sprich mit Mitgliedern von Selbsthilfegruppen und mit nicht alkoholischen Ehefrauen oder Ehemännern und Freunden von Suchtkrankern. Wenn diese eingeweihten Menschen in Deiner Stadt in Gruppen zusammengeschlossen sind, hast Du Glück. Sie sind im Telefonbuch aufgeführt unter Al-Anon-Familiengruppen. Diese Gruppen existieren in erster Linie, um Menschen in Deiner Lage zu helfen. Die Mitglieder sind verständnisvoll und eingeweiht in Dein Problem, denn es ist genauso ihr Problem. Wenn Du in einer Gemeinde lebst, in der es keine Selbsthilfegruppen gibt, suche einen Arzt, Geistlichen oder Sozialangestellten auf, der die Krankheit kennt und Dein persönliches Familienproblem versteht

Ermutige neue Interessen und Aktivitäten
Ohne den Alkohol im Leben des Suchtkranken gibt es eine Menge freie Zeit in seinem oder ihrem Leben. Ermutige neue Interessen und Aktivitäten, auch wenn Du sie nicht völlig verstehst. Beteilige Dich an neuen Tagen, wenn er oder sie es wünschen. Entwickle selbst neue Interessen oder frische alte wieder auf. Über allem aber versuchen neue Wege zu finden, das Leben zu genießen und zusammen Spaß zu haben, der nicht vom Alkohol abhängig ist.

Lass Dich durch Fehler nicht entmutigen
Lass Dich nicht entmutigen durch Fehler, die Du machst oder die Unfähigkeit des Suchtkranken, schnell ausreichende Nüchternheit zu erlangen. Bedenke, es braucht viele Jahre, bevor man ein Suchtkranker wird und die alten Wege oder Reaktionen auf Alkohol sind fest eingewurzelt. Das Wichtigste ist, nicht apathisch zu werden und nicht aufzuhören zu versuchen, sonst kannst Du genauso krank oder verwirrt werden wie der Suchtkranker selbst. Zwei kranke Leute können sich aber schwerlich behilflich sein. Ob Dein Partner oder Freund eine dauerhafte Nüchternheit finden kann oder nicht, es gibt immer einen Weg für ein zufriedenstellendes Leben für Dich selbst oder für Dich und die ganze Familie. Es kommt ganz auf den Umfang der Hilfe an, den Du und der Suchtkranker brauchen.

Vermittle Dein Wissen über die Sucht anderen
Nachdem Du so viel unter der Auswirkung der Krankheit gelitten hast, kann Dein Einfluss groß sein bei der Hilfe für Nicht Suchtkranke, mit den Problemen und Nöten der Suchtkranker und ihrer selbst fertig zu werden. Wenn es andere in ähnlichen Nöten gibt die Deine Hilfe suchen, widme Ihnen Deine Zeit.

Indem zu anderen hilfst, hilfst Du Dir selbst. Noch wichtiger: dieses wachsende Interesse außerhalb Deines eigenen brennenden Problems wird Deinen Glauben in andere und Dich selbst stärken.

Das Krankheitsbild des trockenen Rausches

Der umfassend verstandene Fachausdruck “Trockener Rausch” wird oft auf den Suchtkranker angewendet, dem es nicht gut geht, obwohl er nicht trinkt. Das Krankheitsbild des “Trockenen Rausches” besteht aus einer Reihe von Symptomen, die gleichzeitig auftreten und ein abnormes Verhalten kennzeichnen. Da das Psychopathische in den Ansichten und dem Verhalten des Suchtkranken während der Zeit seines Trinkens allgemein anerkannt wird, wird das Fortbestehen dieser Charakterzüge – nachdem der Suchtkranker das Trinken aufgegeben hat – ebenso psychopathisch zu beurteilen sein. Der Ausdruck “Trockenrausch” bezeichnet daher das Ausbleiben einer Wandlung in eine erstrebenswerte Richtung in Haltung und Verhalten des Suchtkranken, der nicht mehr trinkt. Die Folgen des Ausbleibens dieser angestrebten Wandlung ist, dass der Suchtkranke Schwierigkeiten in seinem Leben hat. Der “Trockene Rausch” kann bei jedem Suchtkranker vorkommen. Im folgenden Text wird vorausgesetzt, dass Männer und Frauen ihm gleichermaßen ausgesetzt sind. Es kann keinen Zweifel über die Ursache dieser Schwierigkeiten geben.

Erkennbare Anzeichen

Ein deutliches Kennzeichen des Suchtkranken im Trockenrausch ist sein großspuriges Benehmen. Diese Großspurigkeit äußert sich sehr oft in einem nicht einsichtsvollen und sich selbst überschätzenden Verhalten, das andere verletzt oder ihnen sogar komisch erscheint. Indem er alles in seiner Umgebung auf sich selbst bezieht, scheint der Suchtkranker unfähig zu sein, die Bedürfnisse und das Feingefühl seiner Mitmenschen zu sehen. Er kann fortwährend auf Ihre Kosten selbst überheblich sein oder seine Fähigkeiten überschätzen, in jedem Fall ist sein Verhalten deutlich nicht realitätsbezogen und kann je nach den Umständen in seiner Auswirkung vom Spaßhaften bis zum Boshaften variieren.

Offensichtlich verwandt mit dem großspurigen Benehmen des Suchtkranken ist seine Art, strenge und fertige Urteile zu haben. “Fertige Urteile” in diesem Zusammenhang heißt, dass der Suchtkranker geneigt ist, Ansichten gewöhnlich mit den Ausdrücken “gut” oder “schlecht” zu äußern, Ansichten, die sehr deutlich nicht zur Realität passen. Da er geneigt ist, mit sich selbst scharf zu Gericht zu gehen (besonders was sein Trinken betrifft), können andere manchmal fühlen, dass er ein tiefes Gefühl der eigenen Wertlosigkeit hat. Dieses Gefühl jedoch oberflächlich verkleinert, da der Suchtkranker die gleichen strengen Wertmaßstäbe auf seine Familie, seine Verwandten, Freunde, Kollegen und seinen Arbeitgeber anwendet wie auf sich selbst. Sie fühlen mit gewissem Recht, dass er sich am wenigsten Kritik leisten kann und dies allein ist der genügende Beweis, dass seine Haltung im Grunde nicht realitätsbezogen ist, egal ob seine Urteile nun in Wirklichkeit einen gewissen Gehalt an Wahrheit haben.

Der Suchtkranke kann weiterhin äußerst ungeduldig sein. Ungeduld kennzeichnet seine Reaktionen anderen gegenüber und im Leben selbst. Ein Verhalten also, das nicht wirklichkeitsbezogen ist, da es die augenblickliche Erfüllung seiner Forderungen notwendig macht. Es ist typisch, dass der Suchtkranker sofortige Belohnung für sein Bemühen und augenblickliche Erleichterung seiner Belastungen und Schwierigkeiten erwartet. Anzeichen der Ungeduld sind sein Zorn oder seine Niedergeschlagenheit, wenn die gesuchte Erfüllung nicht schnell genug kommt.

Großspurigkeit, vereinfachte Urteile und Ungeduld kennzeichnen die Ansichten und das Verhalten des Suchtkranken und diese Züge sind so fest in seinem Leben verankert, dass sie anderen Oft regelrecht als kindisch erscheinen. Ganz wörtlich: er ist in vieler Hinsicht ein Kind. Er wird leicht gelangweilt, abgelenkt und verwirrt. Sein Erfolg auf lange Sicht wird dauernd durch das momentane Wechseln seiner Gefühle gefährdet; Zu jeder Zeit ist es möglich, dass er seine Murmeln oder Klicker nimmt und nach Hause geht. Er kann unfähig sein, Dinge zu schätzen, an denen sich reife Menschen erfreuen, z. B. Lesen, Gespräche oder ein Film. Seine Begeisterungsfähigkeit ist sehr oft die eines Kindes in Ausdauer und Stärke. Die Unzufriedenheit scheint sein dauernder Lebenszustand zu sein.

Auswirkungen in der Familie

Der Suchtkranke, der einen “Trockenen Rausch” hat, scheint unfähig zu sein, sich selbst realistisch einzuschätzen. Dies bedeutet, dass er in den meisten Fällen nicht fähig ist sich so zu sehen, wie andere ihn sehen. Wie sehr er auch in Schwierigkeiten ist, beharrt er trotzdem darauf, sich selbst als schuldlos oder als Opfer der Umstände, die über seine Kontrolle hinausgehen, zu empfinden. Je fester er von seiner Schuldlosigkeit überzeugt ist, desto zäher und klüger wird seine Ablehnung der Hilfe sein, da der 1. Schritt zur Wiederherstellung einer normalen Situation darin besteht, dass er die Verantwortung dafür auf sich nimmt. Das unmittelbare Problem für die, die ihm ernsthaft helfen wollen besteht darin, Bedingungen zu ermöglichen, unter denen er beginnen kann, eine realistische Selbsteinschätzung zu erreichen. (wie diese Selbsteinschätzung erreicht werden kann, soll später erörtert werden).

Unglücklicherweise kann die Familie des Suchtkranken diese Bedingungen nur schwer herstellen. Der Suchtkranke ist wieder Mittelpunkt vieler Familienstreitigkeiten. Die Reaktion der Familie auf sein Verhalten kann von Entmutigung und Bestürzung bis hin zur Niedergeschlagenheit, Empörung und Bitterkeit reichen. In einer von Aggressionen geladenen Atmosphäre ist die Familie gewöhnlich nicht fähig, den Suchtkranker leidenschaftslos zu sehen. Objektiv in Ihrem Verhalten gegen den Suchtkranker zu bleiben, wird äußerst schwierig, wenn nicht gar unmöglich. Das Verhalten des Suchtkranken war als im Allgemeinen unrealistisch beschrieben worden, gerade die Objektivität, die die ganze Familie ihm nicht geben kann, braucht er verzweifelt. In einigen Fällen kann es notwendig sein, den Suchtkranken zu überreden, sich selbst als Hilfe anzubieten. Die auf sich selbst gestellte Familie die versucht, diesen Heilungsprozess durchzuführen, steht oft vor erschreckenden Folgen für den Suchtkranker und für sich selbst.

Die am meisten befriedigende Alternative für alle Betroffenen ist, Hilfe außerhalb der Familie zu suchen. Das sind u. a. Heilstätten, Beratungsstellen, Al-Anon-Familiengruppen und der AA-Sponsor des Suchtkranken, wenn er einen hat. (Beratungsstellen und Heilstätten wohl nur in größeren Städten, Al-Anon und AA sind fast überall erreichbar). AA ist die größte, erste Quelle einer sofortigen Hilfe. Die Heilstätten versorgen die Familien mit Informationsmaterial, Hilfe bei der Entscheidung über die Notwendigkeit der Behandlung eines Suchtkranken und sind darauf spezialisiert, ihm die angemessenen Möglichkeiten einer Therapie zu geben. Die Beratungsstellen sind mit geschulten und qualifizierten Leuten besetzt. Diese Stellen sind so ausgerüstet, dass sie dem Suchtkranker helfen, mit seiner besonderen Situation fertig zu werden. Meistens arbeiten sie in der Art einer ambulanten Behandlung.

Die Al-Anon-Familiengruppen unterstützen die Versuche der Familie, den Suchtkranker wirkungsvoll zu behandeln. Solche Gruppen sind besonders wertvoll, wenn der Suchtkranke in seinem Widerstand gegen Hilfen von außen sich besonders halsstarrig erweist. Sie sind weitgehend mit der Therapie des “Trockenen Rausches” vertraut und können die Familie mit einer Fülle praktischer Informationen versehen. In einigen Fällen kann auch der AA-Sponsor des Suchtkranken eine unschätzbare Hilfsquelle sein. Er ist gewöhnlich mit den Schwierigkeiten der Familie des Suchtkranken und denen des Suchtkranken selbst vertraut und kann helfen, Entscheidungen zu fällen. Unter den richtigen Umständen kann es ihm gelingen, den Suchtkranker zu überzeugen, selbsttätig zu handeln und Hilfe zu suchen.

Es soll hier angemerkt werden, dass gelegentlich der Suchtkranker, der AA-Erfahrung hat und sich der geistigen Anspannung bewusst ist, die mit dem “Trockenen Rausch” auftritt, instinktiv versucht, seine Kontakte zu AA zu vertiefen. Wenn dies geschieht, kann es vorkommen, dass Familienmitglieder oder Freunde, die um ihrer selbst willen finden, dass der Suchtkranker schon genug Zeit in AA verbringt, sich seiner verstärkten Beschäftigung mit AA widersetzen. Ihnen sei gesagt, dass, wenn der Suchtkranker nicht von selbst seine Beziehungen zu AA vertieft, sich mit großer Wahrscheinlichkeit ein Rückfall ins Trinken abzeichnet.

Definition

Der “Trockene Rausch” ist ein Ausdruck, der aus zwei für den Suchtkranken bedeutsamen Worte zusammengesetzt ist. “Trocken” in der einfachsten Bedeutung heißt, dass er sich vom Alkohol fernhält, während Rausch eine tiefe pathologische Voraussetzung meint, die sich aus seinem Alkoholgenuss ergibt. Zusammengenommen bedeuten die Wörter eine Intoxikation ohne Alkohol. Da das Wort Intoxikation vom Griechischen “Gift” abgeleitet wird, bezeichnet der “Trockene Rausch” einen Geisteszustand und eine Verhaltensweise, die “giftig” und deshalb tödlich – für das Wohlergehen des Suchtkranken ist. Solches Verhalten kommt allerdings auch im Leben von Nicht Suchtkranken vor. Zum Beispiel der Geschäftsmann, der sich in einer Verkehrsstockung voller Ärger wie wild auf die Hupe wirft; auch die Hausfrau, die zu ihrem Leidwesen jeden Montag dreißig Jahre lang die Wäsche der Familie waschen muss und folglich die Familie dafür anklagt, sie schmutzig zu machen, scheint ihre Aufgabe in der Familie nicht richtig einzuschätzen. Beide zeigen ein Verhalten, das nicht der Realität entspricht und der Situation nicht angemessen ist. Die selbst destruktive Verhaltensweise des im “Trockenen Rausch” befindlichen Suchtkranken ist verschieden im Grad ihrer Intensität, aber nicht in ihrer Art. Der Suchtkranke hat sich in den Jahren seines Trinkens eine äußerst unangemessene und absolut unreife Art angewöhnt, Lebensprobleme zu lösen.

Verlauf

Wenn der Suchtkranker offensichtlich unzufrieden mit sich selbst ist aber nicht weiß warum, zeigt sich die fehlende Selbsterkenntnis ganz deutlich. Sehr oft seien die Schwierigkeiten seines vergangenen Lebens der Grund, die Gegenwart zu vergiften, und sie wirken sich direkt auf sein augenblickliches Gefühl aus. Er missbilligt streng sein Verhalten, das die Gesellschaft als niedrig, unkontrolliert, selbstsüchtig und verachtenswert bezeichnet. Aber er kann und will sich nicht die Impulse zu eigen machen, die solch ein Verhalten lenken. Anstatt die Wirklichkeit anzunehmen versucht er lieber, seine Selbstachtung zu retten indem er sagt: “Das alles über mich war und kann gar nicht wahr sein”. Aber dieser Schachzug ist nicht ganz erfolgreich, weil er erkennt, dass gewisse Gefühle, Regungen, Wünsche usw. unangenehm für ihn sind; so ergibt sich ein Widerspruch aus dem, was er unklar als Wahrheit erkennt (über seine Gefühle, Regungen, Wünsche usw.) und was ihm seine Selbstachtung erlaubt als Wahrheit an zu nehmen. Dieser Widerspruch ist untragbar auf jeder bewussten Ebene. So verdrängt er ihn aus seinem Bewusstsein und nimmt zu verschiedenen Manövern Zuflucht, die verhindern soll, ihn offen einzugestehen. Soweit es diesen Manövern gelingt, das zu verhüllen, was Selbstachtung des Suchtkranken im Wege steht, wird er gar nicht merken, dass er sie ausführt, sie wirken sich direkt auf sein augenblickliches Gefühl aus. Er missbilligt streng sein Verhalten, das die Gesellschaft als niedrig, unkontrolliert, selbstsüchtig und verachtenswert bezeichnet. Aber er kann und will sich nicht die Impulse zu eigen machen, die solch ein Verhalten lenken. Anstatt die Wirklichkeit anzunehmen versucht er lieber, seine Selbstachtung zu retten, indem er sagt: “Das alles über mich war und kann gar nicht wahr sein”. Aber dieser Schachzug ist nicht ganz erfolgreich, weil er erkennt, dass gewisse Gefühle, Regungen, Wünsche usw. unangenehm für ihn ist. Es kann sogar zu einem regelrechten Leugnen der Wahrheit über sich gegenüber sich selbst und anderen kommen. Er kann manchmal alle Tatsachen wissen, wird ihre wirkliche Bedeutung aber doch nicht richtig erkennen. Er sieht nicht den tieferen Sinn einer Feststellung wie: “Ja, ich bin jetzt drei Jahre in AA und es hat mir wirklich sehr geholfen, obwohl ich neunmal gekippt bin”.

Er fängt oft an, spitzfindig zu argumentieren. Bei diesem Manöver versucht er, seine Selbstachtung dadurch abzustützen, dass er die Kritik anderer durch Scheingründe zerstreut. Wie abwegig seine Verhaltensweise auch sein mag, der Suchtkranke rechtfertigt sich jedes Mal. So hat er auch zahlreiche Gründe, AA zu meiden und jeder Grund kann einleuchtend sein, aber die gesamte Argumentation ist nur dazu da, um die tiefere Wahrheit zu leugnen, dass er die AA oder andere Hilfe von außen braucht.

Der Suchtkranke, der seine eigene Unverantwortlichkeit weg argumentiert, wird wahrscheinlich auch die Verhaltensweise anderer falsch einschätzen. Obwohl er seine Unzulänglichkeiten nicht leugnet versucht er, die Aufmerksamkeit von ihnen dadurch abzulenken, dass er in großer Ausführlichkeit die Fehler seiner Familie, seiner Freunde, seines Arbeitgebers und der Behörden aufzählt. Dies geht soweit, dass er sich erschöpft, andere mit sich selbst zu vergleichen. Er versagt, weil er den klaren Blick verliert. Er ist nicht wirklich an einer Wandlung interessiert, sondern will vielmehr mit einiger Berechtigung sagen können: “Nun, ich bin gar nicht so anders als die anderen”.
Das Manöver der Übertragung ist oberflächlich ganz ähnlich, aber in Wirklichkeit viel unnormaler. Hier überträgt der Suchtkranke auf andere, was er selbst nicht annehmen kann. Diese Taktik setzt ein hohes Maß fehlender Selbsterkenntnis voraus, weil der Suchtkranker versucht, sich seiner untragbaren Empfindungen und Motive dadurch zu erledigen, dass er sich in anderen “erkennt”. Er interpretiert ihr Verhalten als von Gefühlen motiviert, die er im Unterbewusstsein als falsch bei sich selbst erkennen muss oder er unterstellt anderen, eine äußerst unkritische Haltung anzunehmen, die in Wirklichkeit die eigene Haltung gegen sich selbst ist. Er kann im Rahmen dieses Manövers andere anklagen, ihn betrunken machen zu wollen. Er kann AA-Freunde des Trinkens bezichtigen oder er kann anderen vorwerfen, dass sie ihn in Verdacht haben zu trinken.

In gewissen Situationen kann der Suchtkranker übermäßig reagieren. Dies ist das klassische Verhalten des Suchtkranken im “Trockenen Rausch”. Dabei reagiert der Suchtkranke auf ein gewöhnlich unbedeutendes Ereignis oder Missgeschick mit einer offensichtlich unangemessenen Gefühlsintensität. Er kann von hasserfüllter Empfindlichkeit gegenüber einem Vorgesetzten schon aus einem nicht ersichtlichen oder belanglosen Grunde sein. Er kann auf das Verlieren beim Kartenspiel oder das Verpassen eines Telefonanrufes mit außergewöhnlicher Heftigkeit reagieren. Indem er das tut, scheint er aufgestaute Enttäuschung, Zorn und Empfindlichkeit an einem Objekt zu entladen oder in einer Situation, die ihn irgendwie an eine größere Enttäuschung in seinem Leben erinnert. Im Falle des Suchtkranken gibt es wenig Zweifel über die Art dieser vorherrschenden Enttäuschung. Andererseits scheinen einige Suchtkranker, die den “Trockenen Rausch” an sich selbst erfahren, alle Antworten auf ihre Probleme zu wissen. Sie sind selten um Worte verlegen, wenn es zu einer Selbstdiagnose kommt. Oft ist ihr Wissen ziemlich eindrucksvoll und ihre scheinbare Selbsteinsicht (im Gegensatz zum wirklichen Selbstverständnis) ist überzeugend. Das sind die Einsichtsvollen.

Dem Phänomen der Einsicht zu folgen, ist ein weiterer Widerspruch zwischen den Worten und Taten des Suchtkranken. Er scheint die Kritik anzunehmen und spricht ausführlich über seine eigenen Fehler. Aber seine Unfähigkeit, Worte in wirksame Taten umzusetzen, ist offensichtlich. Die unmittelbare Wirkung der Einsicht besteht darin, in anderen die Erwartung einer zukünftigen Besserung zu erwecken. Nachdem er sein Problem formuliert und den Beweis erbracht hat, dass er weiß, wie er es beseitigen kann, scheint der Suchtkranker in der Lage zu sein, wirksame Maßnahmen für sich selbst zu ergreifen, aber was er tut, gleicht niemals seinen Versprechungen.

Die Einsicht kann von der augenblicklichen Bereitschaft des Suchtkranken herrühren, Unannehmlichkeiten aus dem Weg zu gehen. Sein Stil wird geprägt von einem Ableiten auf den Weg des geringsten Widerstandes sowohl in seiner privaten Umwelt als auch an seinem Arbeitsplatz. Als ein geübter und hervorragender Vertreter des weichen Kurses, der bewusst die Alternative wählt, die das geringste Maß an Unannehmlichkeit im Augenblick verspricht, wenn er Entscheidungen, die gefällt werden müssen, gegenübersteht, ist der Suchtkranker uneins mit dem, was er und die anderen als den verantwortlichen Weg erkannt haben. Sein Verhalten ist insofern voraussagbar, als er jedes Treffen in diesem Spiel des Ausweichens “gewinnt”. Im Zusammenhang mit AA ist sogar die Form dieser Einsicht vorgezeichnet, um die Unannehmlichkeiten möglichst klein zu halten. Er benutzt den recht spezialisierten Wortschatz der AA und spricht über seine “Charakterfehler” oder sagt, dass er mit dem Leben nicht fertig wird. Dabei weiß er ganz genau, dass er sich, wenn er anders sprechen würde, den Unmut seiner AA-Freunde zuzieht und sich Unannehmlichkeiten bereiten würde. Seine Einsicht ist nur ein Lippenbekenntnis gegenüber den Prinzipien, die ihm in Wirklichkeit die Erleichterung bringen könnte, derer er bedarf. Das Sprechen über seine Fehler scheint für den Augenblick die Notwendigkeit zu beseitigen, etwas gegen sie zu tun. Was hier im Hintergrund an der Arbeit ist, ist ein schwaches Bewusstsein in ihm, das nach Wandlung drängt. Die Einsicht ist also im Grunde den anderen Abwehrmanövern darin ähnlich, dass sie dafür bestimmt ist, die volle Erfassung einer unangenehmen Situation zu verhindern.

Hilfsmaßnahmen

Der Suchtkranke, der den “Trockenen Rausch” hat, führt ein leeres Leben. Die Art seiner Erfahrungen in der Vergangenheit und die Art, wie er die Gegenwart erfährt hindern ihn daran, die Erfüllung zu erreichen, die andere in ihrem Leben finden. Er ist offensichtlich außerordentlich begrenzt in seiner Fähigkeit zu wachsen, zu reifen und an den Möglichkeiten teilzuhaben, die das Leben bietet. Ihm fehlt die Frische und Ungezwungenheit (nicht Erregbarkeit), die wirklich nüchterne Suchtkranker haben. Sein Leben ist in der Tat ein geschlossenes System und seine Verhaltensweise ist stereotyp, sich wiederholend und deshalb vorher bestimmbar. Er besitzt nicht die Fähigkeit, aus den vielen möglichen Wegen des Handelns den einen auszuwählen, der für ihn am besten geeignet ist. Seine Auswahlmöglichkeiten sind gering und unfruchtbar und er wird niemals jemanden damit überraschen, dass er sich selbst übertrifft.

Vorhandene Beweise zeigen, dass er Demut lernen muss – dass es eine Kraft größer als er selbst gibt – bevor er wirkliche Nüchternheit erfahren kann. Der Prozess der Selbsternüchterung verlangt vom Suchtkranken, dass er ein ungewohntes Maß an Selbstdisziplin in sein Leben hineinbringt. Anfangs kann ihm ein diszipliniertes Verhalten in Bezug auf Ehrlichkeit, Geduld und Verantwortlichkeit lästig und mühsam erscheinen, weil er sich an eine Art zu leben gewöhnen muss, die ihm voll Willkür und Schwierigkeiten zu sein scheint. Der Endpunkt seiner Bemühungen um Selbstdisziplin wird jedoch die Steigerung seiner Fähigkeit sein, kurzfristige Unannehmlichkeiten und sogar recht schmerzhafte auf sich zu nehmen, wenn er am langfristigen Ziel einer echten, dauernden Nüchternheit arbeitet. Er sollte ermutigt werden, sehr gründlich zu überlegen, ob die 12 Schritte der AA für ihn noch Gültigkeit haben. Voller Hoffnung wird er anfangen, die ironische Torheit eines Suchtkranken richtig einzuschätzen der glaubt, dass er plötzlich wieder mit seinem Leben fertig wird, dessen Gesundheit außer Frage steht, der es folglich nicht nötig hat, sein Leben einer Kraft, die größer als er selbst ist zu übergeben, der eine Gewissensinventur für überflüssig hält, da er selten, wenn überhaupt, im Unrecht ist und nicht länger vor der unbehaglichen Notwendigkeit steht, etwas wieder machen zu müssen. Wenn ihm einmal diese Ironie wirklich zu Bewusstsein kommt – dass er es ist, immer noch unkontrolliert, immer noch machtlos, der diese bemerkenswerte Heilung erfahren hat – dann kann er genug Demut in sich fühlen, um eine Wandlung wirklich zu wollen.

Dann ist der Zeitpunkt gekommen, dass die 12 Schritte als ein lebensnotwendiger Teil seiner alkoholfreien Existenz aufgewertet werden. Der Suchtkranke wird natürlich bei der Erarbeitung jedes einzelnen Schrittes Hilfe brauchen. Diejenigen, die ihm helfen, sollten mit großer Sorgfalt die Wichtigkeit aller Schritte betonen, aber seine Aufmerksamkeit ganz besonders auf den 3. Und den 10. Schritt lenken.
(3. Schritt: Wir fassten den Entschluss, unseren Willen und unser Leben der Sorge Gottes – wie wir ihn verstehen – anzuvertrauen.
10. Schritt: Wir machten täglich Gewissensinventur und wenn wir unrecht haben, geben wir es sofort zu).

Es scheint, dass der Suchtkranker es besonders nötig hat, wirklich einzusehen, dass er sein Leben allein nicht meistern kann und er muss lernen, sein Leben und seinen Willen Gott – wie er ihn versteht – anzuvertrauen. Weiterhin muss er lernen, Gedanken und Handlungen zu vermeiden, die ihn dazu verleiten könnten, sein Leben allein meistern zu wollen, indem er täglich Gewissensinventur macht und seine Fehler sofort zugibt.  Abschließend sei gesagt: Wenn der Suchtkranker selbst oder die ihm am nächsten Stehenden charakteristische Anzeichen eines “Trockenen Rausches” in der Verhaltensweise entdecken, sollte Hilfe gesucht werden, um einen wahrscheinlichen Rückfall in das Trinken zu verhindern.

 

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